Leo Rupp: Ich komme wieder

Der deutsche Schütze hat vor kurzem eine temporäre Auszeit angekündigt. Dies ist überraschend steht doch die Heim-Weltmeisterschaft im Juli an.

Leo Rupp at London 2012 © • Leo Rupp
By Leo Rupp

Meiner Meinung nach kann man nur dann erfolgreich im Sport sein, wenn man es frei von Druck für sich selbst tut. Da glaube ich fest daran.

Hallo Freunde,

Seit Tagen beschäftigt mich eine Frage: Wie ist der Leistungssport in verschiedenen Ländern organisiert? Sicherlich gibt es viele verschiedene Möglichkeiten und Strukturen. Ich kann euch ja einfach mal ein wenig von meiner Situation in Deutschland berichten.

Um es drastisch auszudrücken, bin ich Hobby-Sportler. In Deutschland kann man vom Sportschießen im Behindertensport nicht leben, sondern muss teilweise sogar noch viel Geld selbst investieren. Klingt für viele Außenstehende erst einmal abstrus, dass ein Athlet aus dem Nationalkader für Wettkämpfe bezahlen muss. Aber ohne explizit eine Zahl zu nennen, kann ich sagen, dass sich das Budget der Sportschützen im WM-Jahr 2014 um einen vierstelligen Betrag dreht.

Mein Beruf ist daher definitiv mein Studium in Berlin. Das hat aber auch Vorteile. Im Gegensatz zu vielen Profis, ist der Sport für mich nicht meine Lebensgrundlage. Ich möchte Arzt werden und kann diesen Job ewig ausüben. Sport ist und bleibt einfach die schönste Nebensache der Welt. In Deutschland gibt es aktuell auch Bestrebungen den Behinderten-Leistungssport für verletzte Soldaten zu öffnen. An sich ist dieser Ansatz sowohl für den Soldaten, als auch für den Staat und sein Image eine super Sache. Doch es könnte sein, dass dabei die paralympischen Sportler ohne militärischen Hintergrund auf der Strecke bleiben da sie nicht so viel trainieren können weil sie neben dem Sport noch arbeiten müssen. Vermutlich ist das der Paralympische Sport der Zukunft, ob es der richtige ist, möchte ich nicht beurteilen.

Mein Jahr wird von einem Spagat zwischen Studium und Sport bestimmt. Medizin ist vermutlich nicht unbedingt das leichteste Studium. Wenn ich von 8:00 bis 16:00 Uhr in der Uni war und dann noch mehrere Stunden gelernt habe, ist es wirklich nicht immer realistisch noch einen Konzentrationssport wie das Schiessen auszuüben. Aber das Schöne ist, wenn ich keine Lust habe, dann gehe ich halt nicht zum Training. Für mich bedeutet der Sport Spaß und eine Ehre für mein Vaterland in der Welt zu starten. Und wenn es aufgrund des Studiums einmal nicht für eine Nominierung reicht, dann ist das schade, aber nicht zu ändern. Noch vor wenigen Jahren hätte ich sicherlich „ja“ gesagt, wenn mir jemand den Sport als Beruf angeboten hätte. Aber heute denke ich anders darüber. Meiner Meinung nach kann man nur dann erfolgreich im Sport sein, wenn man es frei von Druck für sich selbst tut. Da glaube ich fest daran.

Vor wenigen Wochen habe ich eine Entscheidung für 2014 getroffen. Ich habe vorerst meinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet. Diese Entscheidung ist mir grade in Bezug auf die Heim-WM in Suhl 2014 sehr schwer gefallen. Aber gerade mein Studium, meine Familie, Freunde und meine weltbeste Freundin möchte ich im Moment einfach nicht vernachlässigen. Außerdem habe ich den Plan, dieses Jahr meine Doktorarbeit zu schreiben und das ist natürlich nicht einfach so nebenbei gemacht. Mein großes Ziel lautet Rio 2016, und dafür werde ich nächstes Jahr wieder angreifen und für dieses Ziel kämpfen wie ich schon für London 2012 gekämpft habe. Und ich kann euch sagen, wenn man miterlebt, wie die Flamme im Stadion entzündet wird, war es jede Minute des Kampfes wert.

Dieses wird vorerst auch mein letzter Blog sein. Ich hoffe ihr habt gerne mitgelesen und auch hier werde ich wiederkommen.

An dieser Stelle vielen Dank an IPC Shooting und besonders Uwe Knapp, der einfach immer an mich geglaubt hat und dem ich so viel verdanke.

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr ja gerne auf meine Facebook-Seite schreiben, welche Struktur der Behindertensport in eurem Land hat und was euerer Meinung nach der beste Weg ist.

Die Weltmeisterschaften (2014 IPC Shooting World Championships) werden vom 16.-26. Juli 2014 in Suhl stattfinden. Es werden etwa 300 Athleten aus 50 Ländern erwartet.

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